Wenn ich so überlege, gibt es in meinem Freundeskreis kaum mehr Paare, bei denen sich beide bedingungslos an das Konzept der Monogamie halten. Irgendwie eine deprimierende Erkenntnis für alle Romantiker…aber woran liegts?
Gründe gibts viele. Was aber mir persönlich sehr auffällt, dass immer weniger Menschen in meinem Alter noch daran glauben, dass Monogamie überhaupt funktioniert, den Glauben daran irgendwann verloren zu haben scheinen.
Da gibts die eine, die immer kurz bevor sie mit einem Typen Schluss macht, fremdvögelt. Erst dann scheint sie die Sicherheit zu haben und macht den Schritt. Rache ist auch ein beliebtes Motiv, wenn das Fremdgehen als eine Art inneres FICKDICH dient für Fehlverhalten oder Gemeinheiten. Meist gehts um Bestätigung, viele sind emotional ausgehungert oder wollen umworben werden. Bei Männern ist es tatsächlich oft der fehlende Sex, hab ich gemerkt. Eine Frau hat mir mal erzählt, dass sie immer wenn sie ihren Eisprung hat, fremdgeht. Tja…
Ich hab mal gelesen, dass die Frauen oft im Alter von 39 fremdgehen. Bei mir wars tatsächlich so, dass das Jahr viel mit mir gemacht hat…40 war immer mein Angstalter. Mein Leben zu diesem Zeitpunkt komplett fremdbestimmt. Nicht falsch verstehen – ich liebe es Mama zu sein und mein Beruf erfüllt mich. Das Bild der coolen Mum, die Vollzeitjob, Kind und Haushalt ohne Probleme organisiert von mir. Das ist ein toller Teil meines Ichs und es macht mich in gewisser Weise stolz. Gleichzeitig verkümmerte ein anderer wichtiger Teil von mir. Es blieb einfach keine Zeit für Spaß. Mein Mann verschanzte sich hinter seiner Arbeit und bekam nichts mit von alledem. Mein Alltag zermürbte mich. Der Corona-Lockdown verschlimmerte alles und irgendwann stand ich kurz vorm Burnout. Ich wusste es könnte so nicht weitergehen, irgendwann rächt sich der Körper.
Der Flirt mit meinem Arbeitskollegen war mein Highlight in dieser ganzen Zeit. Ich genoss dieses Gefühl, diese Schmetterlinge im Bauch, die Art wie er mich (an)sah. Aus meiner Sicht hatte ich wirklich alle Register gezogen, meinen Mann zu (mehr) Spaß im Bett zu überreden und plötzlich war da dieser Mann, der MICH als Frau sah, sich für MICH als Person interessierte. Ich fühlte mich ihm sehr verbunden und ihm gings ähnlich. Zwar betrug ich nicht körperlich, aber emotional. Der schlimmste Betrug. Tatsächlich hab ich eine sehr konservative Auffassung darüber, wo Fremdgehen beginnt. Das was davor passiert, der Moment, in dem man sich bewusst dazu entschließt, mit dem Feuer zu spielen (mit dem Wissen sich verbrennen zu können), war für mich seit jeher der verletztendste Teil beim Betrug. Der Schritt zum körperlichen Fremdgehen ist eigentlich dann nur noch eine logische Konsequenz.
Nach dieser Zeit begann ich mit einem Mann, mit dem ich wochenlang einen lockeren Flirt bei meinen Raucherpausen hatte, zu schreiben. Wir sexten nächtelang. Ich genoss es, dass er in mir ein Sexobjekt sah, dass er mir all diese dreckigen Dinge textete, dass ich mich irgendwie neu erfinden konnte, meine sexy Seite ausleben konnte. Dieser Flirt kickte mich und gab mir überraschend viel Energie.
Einer von zwei Gründen, warum ich dieses Doppelleben führe. Auch wenn viele Männer denken es gehört dazu, will nicht umworben werden, brauche keine „random-Komplimente“ und finde dieses Hasch-mich-Spielchen blöd. Ich bin für klare Worte, am besten in Form von dirty Sexting;) Ich stehe darauf, was die Männer in mir sehn, dass sie mich auf ein Sexobjekt reduzieren. Es macht mich an, dass diese Männer meinen Körper heiß und sexy finden. Diesen Körper, mit dem ich fast mein ganzes Leben so sehr gehadert habe, phasenweise so sehr gehassst habe. Für diese heißen Typen eine Fantasie zu sein, ihr Kopfkino anzuregen, zu sehen, wie geil ich sie machen kann, diese Macht gibt mir echt nen Kick.
Der andere Grund ist ganz einfach: Um es mal ganz dirty auszudrücken, ich stehe drauf, hart gefickt zu werden. Ich will und muss mich ausleben, sehen wo meine Grenzen sind. Es gibt so ein paar Dinge auf meiner „sexperience“-Liste, die es noch gilt auszuprobieren.
Ich liebe diese Seite an mir und sie auszuleben gibt mir Kraft, um funktionieren zu können.
Mit meinem Mann kann ich das nicht. Sex ist ihm einfach nicht wichtig. Ich habe einen lieben aber leider sehr passiven Mann, der so gar keine dominante Seite hat. Genau das war es ja, was mich von Anfang an gefesselt hat und was ich immer schon an ihm liebe. Er ist schon mein halbes Leben lang mein Fels, der mich in den letzten Jahren sooft geerdet hat, durch eben seine ruhige Art. Aber er kann mir einfach nicht dieses Gefühl geben, das mir die Männer geben, mit denen ich Sex habe. Dieses aufregende Gefühl der Freiheit, dieses „everythingispossible“…Wir sind 20 Jahre zusammen, er kann in mir nicht das sehen, was diese Männer in mir sehen.
Es stellt sich da natürlich die Frage, wie ein einziger Mann überhaupt ein ganzes Leben lang alle meine Sehnsüchte bedienen können soll. Gibts das überhaupt? Kann ein Mann dir das Gefühl der totalen Freiheit und gleichzeitig das der absoluten Sicherheit geben? Deine Abenteuerlust wecken und gleichzeitig für Verlässlichkeit und Kontinuität stehen? Wann ist es Zeit sich zu entscheiden?
1 thought on “Monogamie, geht das eigentlich?”
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