Die Sache mit dem schlechten Gewissen…

Letztens habe ich eine Freundin in mein Geheimnis eingeweiht und die fragte mich ganz offen, ob ich das, was ich da tue als falsch empfinde. Da war sie wieder die Sache mit dem schlechten Gewissen. 
Ganz am Anfang war es da…das schlechte Gewissen. Als ich damals merkte, dass ich mich in meinen Arbeitskollegen verknalle, kontaktierte ich zwei Freundinnen. ( quasi Engel und Teufel ) Ich wusste, ich könnte mir die Finger verbrennen und suchte Rat. 
 Tatsächlich hab ich eine sehr konservative Auffassung darüber, wo Fremdgehen beginnt. Das, was davor passiert, der Moment, in dem man sich bewusst dazu entschließt, mit dem Feuer zu spielen(mit dem Wissen sich verbrennen zu können), war für mich seit jeher der verletzendste Teil beim Betrug.
BEIDE, sowohl die mit der offenen Einstellung, aber auch die mit der sehr konservativen Einstellung belächelten mich. Warum unnötig Staub aufwirbeln, wenn eh nichts läuft. Ich solle das Ganze entspannt sehen. Also ließ ich es sein, sagte nichts und genoss einfach die Gefühle, das Bauchkribblen…es lief ja nix… 

INTERESSE..

Die Sache ist aber die: ich hatte diesen Pfad bewusst betreten, ich bin NICHT irgendwie in die Sache reingerutscht. Es machte wahnsinnig Spaß, zu erleben wie ich auf Männer wirke, mich auszuprobieren. Die ganzen Alltagsflirts gaben mir so einen Kick. Auch als ich meine Telefonnummer meinem Raucher-Flirt gab, mit ihm nächtelang sextete, all das geschah nicht „ausversehen“. All das waren Entscheidungen, die ich damals zwar aus einer seelischen Not heraus getroffen hatte, aber dennoch war ich bei klarem Verstand. 
Der Schritt zum körperlichen Fremdgehen ist eigentlich dann nur noch eine logische Konsequenz.
Es dauerte dann aber doch ein paar Monate, bis ich diese Grenze überschritt…

RACHE

Ich kann mich noch so gut erinnern, als ich auf dem Weg zu diesem Italiener war. Das Ganze war irgendwie so surreal. Mir war ganz schlecht vor Aufregung und gleichzeitig war ich wild entschlossen. 
Ein schlechtes Gewissen hatte ich zu diesem Zeitpunkt nicht wirklich – jedenfalls nicht gegenüber meinem Mann. Er behandelte mich seit Monaten wie Luft, versteckte sich hinter seinem Job und ließ mich mit allem allein. Während ich an dieser Doppelbelastung VollzeitJob-VollzeitMum fast zerbrach, zog er sein Ding durch auf meine Kosten und Kosten unserer Familie. Aus meiner Sicht hatte ich ALLES versucht, hatte ganz klar formuliert, was sich ändern muss und dass ich am Ertrinken bin. Immer und immer wieder. 
In all den Jahren wollte ich immer nur die perfekte Frau für ihn zu sein, kümmerte mich um alles, hielt ihm den Rücken frei, stellte seine Bedürfnisse vor meine. Wie konnte er jetzt nur einfach dabei zusehen, es zulassen und riskieren, dass ich zusammen klappe? 
Jetzt oder nie… Die Situation/ der Typ schien perfekt. Mein Mann hatte mich auch schon zwei Mal betrogen in unserer Beziehung. Ich fühlte mich emotional und sexuell ausgehungert. Irgendwie hatte ich das Gefühl mir das „verdient“ zu haben.
Bereut hab ich diesen Schritt nicht einen Moment – bis jetzt. 
Das schlechte Gewissen hatte ich von Anfang an gegenüber meinem Sohn. Ich wollte seine kleine heile Welt nicht zerstören, unbedingt für ihn den Schein aufrecht erhalten. Gleichzeitig gab es keinen Weg zurück in mein Schneckenhaus. Ich war zu weit gegangen, wollte nicht zurück. Denn ehrlichgesagt fühlte ich mich so lebendig wie lange nicht. 
Manchmal frage ich mich, was wäre geschehen, wäre der Sex nicht SO gut gewesen…

NEUGIERDE…

Anfangs wusste ich aber nicht so genau, wie ich das anstellen soll. Mich auf irgendwelchen Platformen anzumelden, kam nicht in Frage. Und ans JC Universum traute ich damals noch nicht ran. Mein Doppelleben sollte nicht auffliegen, weil ein Kumpel meines Mannes mich entdeckt und es ihm erzählt. Sowas würde ich meinem Mann nie antun. Ihn so zu verletzen, indem ich ihn so offensichtlich betrüge, dass es jeder mitkriegen kann. Das wäre gemein, total respektlos und das hat er auch nicht verdient. Ab einem gewissen Zeitpunkt ging es mir nicht (mehr) um Rache, ihm wehzutun oder darum ihn zu bestrafen. Es ging hier einfach nur noch um michmeine Bedürfnisse, meine Fantasien, meine Lust. Ich definierte meine Prioritäten neu. Nach unserem Sohn kam nun nicht mehr er sondern ich. Hört sich egoistisch, klar, aber das musste ich tun, ich musste anfangen mich um mich selbst zu kümmern, mich weiterzuentwickeln. Also begann ich mich um mich selbst zu kümmern, baute mir ‚Inseln‘, flirtete, beschäftigte mich sehr viel mit Sex, ging regelmäßig saunen, ging aus(soweit möglich während der Lockdowns)…
Einige Wochen später traf ich auf  MrReadForMe. (> Wenn Realität jedes Kopfkino toppt ) Mit ihm verließ ich endgültig meine Komfortzone, begann mich neu zu erfinden und fand meinen Weg in dieses Doppelleben. MrReadforMe war der perfekte Mann zu diesem Zeitpunkt…jung, selbstbewusst, geduldig, motivierend, dominant-fordernd, wertschätzend und heiß!

LUST

Mit ihm rückte die reine Neugier in den Hintergrund und das Lusterleben in den Fokus. Die unzähligen Sexchats, diese Abende mit MrReadforMe waren der perfekte Ausgleich, wirkten wie ein Booster auf mich, auf mein Selbstbewusstsein. Ich hatte soviel Energie und Lebenslust wie lange nicht.
All das blieb nicht ohne Folgen, ich veränderte mich…äußerlich und innerlich. Neuer Haarschnitt, Styling, neue sexy Klamotten, neue Interessen…
In dieser Zeit wartete (hoffte) ich auf eine Reaktion meines Mannes auf mein verändertes Aussehen, Auftreten oder Verhalten. Aber nichts. Es machte mich traurig, dass mein Mann mich nicht mehr ’sah‘, wahrnahm, dass da irgendwas passiert. Mein Verhalten irgendwie als Spinnerei abcancelte. Ich war auch selten gezwungen zu lügen, wenn ich mich mit MrReadforMe oder mit einem der anderen Männern traf, weil ich schlichtweg nicht gefragt wurde, was ich wo mit wem unternahm. So stellte sich heraus, dass es überraschend „einfach“ ist, dieses Doppelleben zu führen. Das schlechte Gewissen wurde kleiner und kleiner…

RULES

Dennoch bin ich bis heute auf der Hut, treibe es nicht auf die Spitze und halte mich an meine eigenen kleinen „rules“. Ich überlege sehr genau, wem ich mein Geheimnis anvertraue und würde niemals einem Mann einfach so meine Nummer geben, weil ich ihn irgendwie nett finde. Warum auch? Ich hab weder Zeit noch Bock auf Chats mit Typen, mit denen vielleicht mal was gehen könnte. Mir geht es nicht darum mit möglichst vielen Männern möglichst viel Sex zu haben. Qualität vor Quantität. Ich würde auch nie die Initiative ergreifen. Nein, auf keinen Fall, aber ich flirte unglaublich gerne. Was Mann draus macht, ist ihm überlassen.
Denn mal ehrlich, wie „gut“ kann bitte ein Mann im Bett sein, der nicht mal beim Flirten meinem Blick standhalten kann, sich nicht von Anfang an traut, Gas zu geben, dessen erstes Kompliment es ist, dass ich so schöne Augen habe.
Nein nein nein…
Da warte ich immer lieber geduldig ab und wenn dann einer kommt, der mich von Anfang an zu 100% in seinen Bann zieht, ergreife ich die Gelegenheit 😉
Was ich tun würde, wenn mich mein Mann darauf ansprechen würde, mich fragen würde, ob ich eine Affaire habe? Ich wäre ehrlich, das bin ich ihm schuldig. Allerdings nicht hinsichtlich der „Ausmaße“. Warum? Naja, was würde ihm das bringen? Es würde ihn in seinen Grundfesten erschüttern. Ich habe oft erlebt in den vergangenen Jahren, was das mit Männern gemacht hat, wenn Frau fremd geht. Wie sehr und tief es sie verletzt hat. Doch statt sich zu fragen, warum es überhaupt soweit gekommen ist, ging es oft nur noch um den Betrug, den anderen Mann, die böse Frau. Aber so einfach ist das nicht. 

“ Gegenüber jeder Aktion steht eine Reaktion“

Zitat: Isaac Newton
Klar ist es nicht die Schuld meines Mannes, dass ich mit anderen Sex habe. Dafür bin ich schon selber verantwortlich. Jeder kann und darf mich für mein Verhalten verurteilen. Das ist OK. Ich will mich hier auch nicht rechtfertigen. Dennoch…Wenn eine Beziehung an einen solchen Punkt kommt, haben es beiden Parteien zu verantworten. IMMER. Mein Mann hatte mich ja schon zwei Mal betrogen. Jedesmal habe ich es durch Zufall herausgefunden und stand unter Schock. Aber immer wenn ich dann wieder ehrlich zu mir sein konnte, war der Zeitpunkt nie wirklich überraschend. Es waren immer Zeiten, in denen ich mich aus irgendeinem Grund von ihm distanziert hatte. Es ist nie nur EINER Schuld.
Aktion-Reaktion

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert